leben in kanada

nun ist er beinahe rum. mein monat in kanada. wie ein tourist fühle ich mich nicht, wie jemand der wirklich hier wohnt auch nicht. ich beobachte immer noch gespannt, vergleiche, suche gemeinsamkeiten und unterschiede.

die erste woche hatte ich mit praktisch allem probleme. keine tür bekam ich aufgesperrt. macht ja auch total sinn, dass man richtung türschloss dreht zum aufsperren, dann den schlüssel in der position halten muss und gleichzeitig mit der anderen hand an der tür ziehen muss. und ich hab ja auch nie irgendwas in der anderen hand. eine einkaufstasche zum beispiel. meine terassentür bekam ich nicht auf, bis ich rausfand, dass der “hightech” verschluss aus einer holzstange bestand, die unten zwischen das fenster geklemmt war. das erste mal händewaschen auf der unitoilette stellte sich als schwierig heraus.  aber wie würdet ihr denn diesen wasserhahn aufdrehen? drauf drücken? drehen? hochziehen ist die lösung! auf eben dieser unitoilette dachte ich auch mich unwiederuflich eingesperrt zu haben und war schon sehr beruhigt, dass der spalt unten groß genug war um rauszukriechen. soweit kam es dann aber zum glück doch nicht und ich bekam die blöde tür doch auf. funktionales feedback lieferte diese toilettentür jedenfalls nicht (grüße an mein münchner doktorandentreffen… ;)). generell, mit amerikanischen toiletten kann ich mich sowieso nicht besonders anfreunden. das thema möchte ich nun aber wirklich nicht vertiefen. bemühen sie google wenn sie mehr dazu wissen möchten. alles in allem auf jeden fall sehr faszinierend wie leicht man sich durch einen haufen kleinigkeiten sehr unbeholfen fühlt obwohl man das doch alles sonst problemlos kann. und vielleicht ist es auch einfach ein bisschen berufskrankheit, dass mir das alles auffällt.

auch im bad trifft man auf den duschwasserhahn. aber denn kannte ich ja bereits aus vancouver und kingston und so klappte wenigstens duschen problemlos. dass der wasserhahn erstmal sehr intuitiv bedienbar aussieht für den gemeinen europäer halte ich derweil für einen hinterhältigen trick. denn nein, man zieht den hebel nicht nach oben. man dreht ihn. schön über eiskalt hinweg bis zu der temperatur die einem angenehm erscheint. dann – das ist tatsächlich wie bei uns – kann man an einem anderen kleinen hebel ziehen und das wasser schaltet sich auf die dusche um. dass da natürlich immer erstmal nochmal ein bisschen kaltes wasser, das noch in der leitung war, als aller erstes rauskommt ist klar. das hebel ziehen, schnell nach hintenspringen, damit einen das wasser nicht trifft, und dann erst unter die warme dusche stellen habe ich in meiner zeit hier perfektioniert. ach und nein, die wassermenge kann man nicht regulieren. aber dass ich mein ökologisches gewissen am besten gleich in deutschland zurücklassen sollte war eigentlich schon vorher klar.

die waschmaschine traute ich mich erst nach intensiver internetrecherche in betrieb zu nehmen. denn auch hier, die knöpfe hatten viele lustige symbole, wirklich viel sagten die mir aber nichts. ich weiß bis heute nicht was cold, warm and hot eigentlich in grad sind, aber meine kleidung hat alles überlebt. und ich verstehe nun warum der kauf einer deutschen waschmaschine ein solch großes thema in der steve jobs biographie war. derweil bin ich froh, dass es sommer ist. ich habe hier zwar eine heizung, habe aber nicht rausgefunden wie man eben die einschalten würde. ich habe auch nach tiefgehender inspizierung keinen einzigen knopf, regler, hebel, schalter oder ähnliches an diesem ding gefunden.

generell scheint der kanadier auf etwas altbackene haushaltsgeräte zu stehen. mein herd ist laut informationen länger hier ansässiger ein durchaus gängiges modell und ein ganz klarer vorteil dieses geräts wurde mir sogar aus deutschland geliefert: in diesen ofen passt ein ordentlicher turkey für thanksgiving rein. bei meinem heimischen herd wäre das schwierig. für meinen staubsauger dagegen konnte ich noch nicht verifizieren wie state-of-the-art der nun ist, aber als roomba besitzer (wir nennen ihn liebevoll roombi und behandeln ihn mehr wie ein haustier als ein technisches gerät) ist das natürlich ein harter umstieg. generell musste ich feststellen, ich bin nicht nur informatikerin, nein ich bin ganz und gar technikjunkie. wenn ich eine sache benennen müsste die mir am meisten fehlt, dann sind das meine küchengeräte. das würde sich natürlich generell in kanada ändern lassen, aber für einen monat macht das natürlich keinen sinn.

sonst ist der kanadier noch sehr besorgt, dass seine wohnung in feuer aufgehen könnte. ich habe einen rauchmelder, zehn wassersprinkler und einen feuerlöscher in der wohnung. bezüglich letzterem schrieb mir mein vermieter sogar nochmal eine extra email weil er vergessen hatte mir zu sagen wo er steht. ich habe nichts dergleichen bis jetzt benötigt. toi toi toi.

als fußgänger fühle ich mich hier zeitweise sehr seltsam. man sieht nämlich nicht so viele menschen dieser spezies. hier ist der autofahrer deutlich weiter verbreitet. dafür ist letztere spezies erstaunlich rücksichtsvoll gegenüber dem gemeinen fußgänger. in deutschland überquere ich ja gern mal so eine straße: links schauen, rechts schauen, links schauen. links kommt nichts, rechts kommt was, der rechts ist aber locker vorbei bis ich in der mitte der straße ankomme. also schon mal losgehen. in deutschland würde der von rechts kommende auch einfach weiterfahren und ich schön hinter ihm über die straße laufen. hier hält der autofahrer, wartet bis du in der mitte bist, lässt dich dann vor sich über die straße gehen und fährt dann wieder los. eilig hat man es offensichtlich hier nie. an der kasse wird mit jedem kunden ein kleiner plausch gehalten. die verkäufer hier kennen mich vermutlich mittlerweile besser als meine nachbarn zu hause. manchmal eine harte zerreisprobe für das deutsche gemüt, dass ja immer in eile ist auch wenn man eigentlich keine termine hat. dafür gibt es hier self-checkout. selbst scannen. am automaten bezahlen. ganz und gar nicht deutsch, aber gut für’s deutsche grummel und stress gemüt.

was ich aber definitiv vermissen werde wenn ich zurückkomme nach deutschland ist die freundlichkeit und offenheit. es ist einfach jeder immer freundlich. die bedienung im restaurant, der bereits erwähnte verkäufer an der kasse, der busfahrer (bei dem man sich beim aussteigen bedankt), alle.

ja so ist das in kanada. hier ist nicht alles anders, ich sitze zum beispiel so eben auf einem ikea poäng. den findet man auch in jedem zweiten deutschen haushalt. zu meiner freude konnte ich auch wasser mit kohlensäure kaufen und es hätte sogar österreichische darbo marmelade im supermarkt gegeben. aber es lässt sich aus all den irrungen und wirrungen eben ein besserer eintrag schreiben. aber im grunde lässt es sich hier schon ganz gut leben.

meine zeit in calgary ist nun um. noch nicht komplett um ist dagegen meine zeit in kanada. nächster halt toronto, die niagara fälle und dann geht es mit dem zug von kanada nach new york. ich werde berichten. sofern es irgendwo free wifi gibt.

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